Meike Dismer   Verbrogen I aaaaa print auf Kappaplatte 26x38 cm, 2013

GEFANGEN – im eigenen Selbst

Malerei – Skulptur – Installation

 

108. Art.i.G. Ausstellung – Kunst im Gefängnis

In der JVA für Frauen Vechta

Juni – Sept. 2017

Gefangen sein hinter Mauern – das ist etwas, das die meisten Menschen sich nicht vorstellen können, nicht vorstellen wollen. Auch der freien Künstlerin Meike Dismer ging es ähnlich als sie 2013 zu mehreren Projekten in die Jugendabteilung der Justizvollzugsanstalt für Frauen in Vechta an der Zitadelle kam. Doch dort stellte sie fest, dass sie sich den jungen Infaftierten seltsam verbunden fühlte. „In Wahrheit sind wir auf die eine oder andere Weise auch gefangen“, sagt Meike Dismer, die ab Donnerstag (29.Juni) ihre Werke in der JVA für Frauen Vechta zeigt. Ihre Ausstellung heißt deshalb auch „Gefangen – im eigenen Selbst“.

„Wir erschaffen Strukturen, die uns binden und wir drehen uns immer wieder im selben Rad“, sagt sie. Die Kunst schaffe allerdings eine Form der Weiterentwicklung. Diese Form nutzt sie für ihre Werke. Verletzlich und gleichzeitig stark wirken die Figuren, die Meike Dismer erschafft. Dabei wird vor allem auch der prozesshafte Charakter der Werke deutlich. „Alles, was sich zeigt kann übermalt werden“, sagt die Malerin. Deshalb gibt es in der Ausstellung auch Bilder, die sie übermalt hat und von denen nur noch Fotos existieren. „Das ist wie das Leben“, sagt sie. „Es kommt immer noch eine Schicht drauf.“

Meike Dismer hat zunächst ein Studium als Chemieingenieurin abgeschlossen. Das zeigt sich noch heute in ihren Werken. „Ich experimentiere gerne“, sagt sie. Nach dem Studium wurde ihr aber schnell bewusst, dass sie lieber Kunst machen möchte und hat als Autodidaktin zahlreiche Workshops gegeben. Seit Jahren arbeitet sie außerdem als Trauerbegleiterin im Hospiz St. Peter in Oldenburg. 2012 hat sie sich im Zuge dieser Arbeit in Hamburg zur Kunsttherapeutin ausbilden lassen. Meike Dismer arbeitet als freie Künstlerin in Oldenburg.

In der Ausstellung zeigt die Künstlerin 20 Bilder und fünf Skulpturen, die nach den Projekten in der JVA für Frauen entstanden sind. „Die Arbeit mit den Inhaftierten hat mich berührt“, sagt sie. Und so ist nun eine autobiographische Ausstellung entstanden, in der sie Wunden, die Verletzlichkeit der Seele, darstellt und ausdrückt. „Die meisten Menschen verbergen Verletzungen“, sagt sie. Auch sie zeigt die Werke deshalb zunächst nur hinter den Mauern des Gefängnisses. „Ein Gefängnis ist auch ein geschützter Ort“, sagt sie.

2013 arbeitet die Künstlerin Meike Dismer in Vechta mit Inhaftierten / Jetzt zeigt sie in der Kreisstadt ihre Bilder

„Gefangen – im eigenen Selbst“ und hinter Mauern

Zitat: Oldenburgische Volkszeitung vom 27.06.2017, Vechta (mct)